Letzte Aktualisierung:
08.11.2014

S-Bahn b Kopie klein

ZUPFENSEMBLE  WUPPERTAL 1919

Unser Konzert am 24.10.2010
war in doppelter Hinsicht anders als unsere früheren Auftritte. Während wir sonst eine Mischung unterschiedlicher Musikgenres von verschiedenen Komponisten zu Gehör brachten, war dieses Konzert ganz dem schwedischen Poeten und Liedermacher Carl Michael Bellman gewidmet.
(siehe Pressebericht)
Ungewöhnlich war dann auch der Auftritt des jungen Mannes, der nach der Pause mit folgender Rede ans Mikrofon trat:

Sehr geehrte Damen und Herren, sehr verehrtes Publikum.
Bitte erlauben Sie mir, dass ich einige Worte an Sie richte, bevor das Programm weitergeht.
Mein halbes Leben, also seit etwa 20 Jahren sitze ich mit meinen Kopfhörern in der 1. Reihe und nehme die Konzerte des Zupfensembles Wuppertal auf. Aber bereits mein ganzes Leben verbindet mich etwas mit der Zupfmusik, obwohl ich kein Mitglied des Orchesters bin, nicht einmal ein Instrument spielen kann. Der Grund für diese Verbundenheit ist ein Mann, 70 Jahre alt, der 55 Jahre Mitglied des Orchesters ist, davon 48 Jahre als Dirigent.
Die Rede ist von meinem Vater - Gregor Preute - mein Name ist Jens Preute.
Natürlich erwarten Sie jetzt meinen Vater, der wie gewohnt in all den vielen Jahren, nach der Pause das Konzert weiterführt. Dass ich nun hier stehe, hat folgenden Grund: Mein Vater befürchtet, dass ihm aus emotionalen Gründen nach wenigen Worten die Stimme versagen wird bei dem, was er Ihnen heute zu sagen hat. Deshalb hat er mich gebeten, stellvertretend für ihn folgenden Text zu verlesen:

Sehr geehrtes Publikum, liebes Orchester,
ich stehe zwar nicht auf dem Schlauch, hänge aber, wie Sie gesehen haben mögen, an einem solchen.
Eine chronische Verengung meiner Atemwege erfordert eine ständige, zusätzliche Sauerstoffversorgung. Dadurch und durch die dennoch permanent vorhandene Atemnot bin ich körperlich erheblich eingeschränkt.
Es fällt mir zwar unendlich schwer, aber ich sehe mich gezwungen meine Dirigententätigkeit nach fast 50 Jahren aus diesen Gesundheitsgründen heute zu beenden.
Andererseits freut es mich, dass es uns, bzw. besonders unserem Vorsitzenden Heinz-Walter Müller gelungen ist, einen jungen Mann zu finden, der gerne bereit ist, die Leitung   “ m e i n e s “   Orchesters zu übernehmen. Ich möchte deshalb hier und jetzt die Gelegenheit nutzen, die musikalische Verantwortung an Florian Salzmann zu übergeben und ihm viel Freude und Erfolg zu wünschen.
Ihnen, “ m e i n e m “ Publikum, danke ich für die jahrzehntelange Begleitung auf meinem musikalischen Lebensweg. Ich hoffe auf Ihr Verständnis für meine Entscheidung und bitte Sie, dem Orchester und seinem neuen Leiter weiterhin treu zu bleiben.
Euch,  “ m e i n e n “   Spielern, möchte ich danken, dass Ihr immer bestrebt wart, meine musikalischen Gefühle umzusetzen. Danke, dass Ihr bereit wart, Woche für Woche oft hart daran zu arbeiten, aus einem eventuell anfänglichen Chaos Musik zu machen, die nicht nur das Ohr erreicht, sondern auch zu Herzen geht.
Gerne möchte ich dem Orchester verbunden bleiben und ihm - im Rahmen meiner Möglichkeiten - auch in Zukunft mit Rat und Tat zur Seite stehen.
Abschliessend:
Das gemeinsame musizieren mit Euch hat mir immer so sehr viel bedeutet und war stets fester Bestandteil meines Lebens. Für diese Bereicherung danke ich Euch allen.

Sichtlich bewegt nahm Gregor Preute den lang anhaltenden, stehenden Applaus des gesamten Auditoriums entgegen, bevor er den Taktstock an Florian Salzmann überreichte, der die Leitung des 2. Konzertteils übernahm.